Wann ist Qigong kontraindiziert?
Der erste Schritt in ein erfülltes und glückliches Leben beginnt mit der bewussten Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse. Je aufmerksamer und achtsamer Sie mit sich selbst umgehen, desto mehr werden Sie von einer ausgewogenen Gesundheit, gesteigerter Kreativität oder einem erhöhten Maß an sozialer Kompetenz profitieren. Genau an diesem Punkt setzt mein Entspannungsprogramm an. Techniken wie Progressive Muskelrelaxation (PRM), Autogenes Training (AT), Qigong oder auch Tai Chi Chuan sind ideale Methoden, die sich immer aufs Neue bewährt haben, weil sie eine umfassende und lang anhaltende Kräftigung und natürliche Regeneration bewirken. Ich biete Schnupperkurse, Fortbildungen, Kurse und Einzeltrainings in Progressiver Muskelrelaxation (PRM), Autogenem Training (AT), Qigong, Qigong für Kinder und Tai Chi Chuan im Raum Köln, Bonn und Oberberg an. Wenn Sie keinen der Kurse oder Workshops besuchen können, komme ich auch gerne in Ihr Unternehmen.
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Wann ist Qigong kontraindiziert?

 

Wann ist Qigong kontraindiziert?

Posted by Siegbert Engel in Bewegung, Qigong 16 Mrz 2010

Als Autor freut es mich besonders, wenn ich Anfragen, Anregungen oder Verbesserungsvorschläge von LeserInnen bekomme. Es zeigt mir, dass einige LeserInnen sich intensiv und durchaus kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Vor einigen Tagen erhielt ich eine Anfrage zu den Übungsanweisungen die ich in dem Buch Qi Gong für mich gebe. Die Leserin fragt: “Es geht um die Angabe, wann man Qi Gong nicht ausführen sollte. Sie schreiben unter anderem bei Wetterumschwüngen, schlechter Grundstimmung, Neurosen, Schwangerschaft und starker Menstruation etc. Weshalb soll dann kein Qi Gong praktiziert werden? Das Buch bleibt mit dem Verweis auf Kursleiter leider eine Erklärung offen. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht (…), dass ich zum Beispiel bei leichten Spannungskopfschmerzen die Chance habe, dass diese danach weg sind. Außerdem kann es entspannen. Wo liegt also die Gefahr?”

Ich habe im Folgenden versucht, die wichtigsten Punkte so verständlich wie möglich zusammenzufassen.
Qi und Blut sind in der chinesischen Medizin untrennbar miteinander verbunden. Wo die Aufmerksamkeit ist, dort ist das Qi bzw. ist in diesen Körperregionen eine stärkere Durchblutung feststellbar. Dass Aufmerksamkeit und Durchblutung gekoppelt sind, ist mittlerweile unumstritten. Das Autogene Training beispielsweise macht sich genau diese Wirkweise zu Nutze (“Der linke Arm ist warm und schwer…”).

Wird im Qigong eine abwärtsgerichtete Bewegung, die ja möglichst auch durch die Aufmerksamkeit gelenkt wird, ausgeführt, kann es bei einer Schwangerschaft im schlimmsten Falle zu einem ungewollten Abgang des Fötus/Embryos kommen. Abwärtsgerichtete Bewegungen führen das Blut (und damit das Qi) tendenziell nach unten und, je nach Übung, nach außen.

An meinen Kursen haben bisher einige Schwangere teilgenommen. Eine Teilnehmerin hat, in Absprache mit ihrer Hebamme und mir, bis 2 Wochen vor der Geburt Qigong praktiziert und hatte dadurch eine sehr leichte Geburt. In jedem Fall würde ich bei Schwangerschaft dringend raten, sich mit dem Arzt und/oder der Hebamme und dem Kursleiter abzustimmen. Modifiziert man bestimmte Übungen ein klein wenig, kann das Risiko erheblich verringert  werden.

Ähnlich verhält es sich bei der Menstruation. Hier haben die Frauen in meinen Kursen häufig die Erfahrung gemacht, dass Qigong eher regulierend wirkt. Stockende Blutungen können angeregt werden, zu heftige Blutungen können abgemildert werden.

Vorsicht ist in jedem Fall bei sehr tiefen und sehr breiten Standpositionen geboten. Bei vielen Übungen wird zudem (zumindest in der Anfangsphase) der Beckenboden entspannt.

Neurosen und Psychosen sind ein heikles Thema in der chinesischen Medizin. Psychisch Erkrankte wurden in China häufig in entlegene Regionen verbracht, wo sie mehr schlecht als recht ihr Dasein fristen konnten. Menschen mit körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen sind auch heute noch nur geduldet und werden nicht gerne gesehen.

Bei Menschen mit starken psychischen Dysbalancen ist häufig eine erhebliche Störung der Qi-Strömungen zu beobachten. Neurosen und Psychosen können durch die tief gehende Wirkung des Qigong (auch nach meinen eigenen Beobachtungen) massiv verstärkt werden. Ein Kursleiter sollte in der Lage sein, entsprechende Störungen zu erkennen und angemessen damit umzugehen. Leider nehmen die psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren massiv zu, was eine zusätzliche Herausforderung für KursleiterInnen und v.a. Ausbildende darstellt.

Bei einer schlechten Grundstimmung oder Müdigkeit kann Qigong wahre Wunder wirken. Ist die Erschöpfung aber so stark, dass die Konzentration bzw. die Aufmerksamkeit beeinträchtigt ist, können die Übungen solche Zustände zusätzlich verstärken. Der Geist sollte so wach sein, dass die Übungen mit größter möglicher Achtsamkeit durchgeführt werden können. Bei starken Erschöpfungszuständen ist häufig der Geist (die mentale Kraft) so sehr abgelenkt, dass die Aufmerksamkeit nur schwerlich fokusiert werden kann. Das wiederum beeinflusst das Qi auf ungünstige Weise. Ist das Qi in Unordnung, ist auch der Geist in Unordnung und umgekehrt. In einem solchen Fall sollten spezielle regenerative Übungen durchgeführt werden.

Es gibt grundsätzlich spezielle Übungen, die bei der Schwangerschaft, bei Mentruationsstörungen und auch bei leichten psychischen Dysbalancen gezielt eingesetzt werden können. Das würde dann in den Bereich Medizinisches bzw. Therapeutisches Qigong fallen das nur von einem erfahrenen Anwender vermittelt werden sollte.

Und nun die Sache mit dem Wetter…
Bei starken Wetterumschwüngen, v.a. bei Gewitter, ist die elektrische Spannung in unserer Umgebung stark verändert. Zudem ist bei Gewitter das Ionenverhältnis in der Atmosphäre verändert. Unser gesamter Organismus (und damit auch unsere Vitalkraft, das Qi) reagiert sehr empfindlich auf solche Schwankungen. Unsere eigene elektrische Spannung interagiert stets mit der uns umgebenden atmosphärischen Ladung; Qigong kann dann u.U. das Wohlbefinden eher negativ beeinträchtigen. (Zur Beeinträchtigung des Organismus durch atmosphärische Spannungen siehe auch hier.)

Menschen die Qigong oder Tai Chi praktizieren, üben gerne am Meer wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Dagegen ist nichts einzuwenden, allerdings sollte man nicht bei starkem Wind üben. Es heißt, der Wind zieht das sehr empfindliche Qi vom Körper weg. Kursteilnehmer haben mir immer wieder berichtet, dass sie sich nach dem Üben bei starkem Wind ausgelaugt und erschöpft fühlen. Anders bei einem Spaziergang im Wind: Ist man entsprechend angezogen, kann ein solcher Spaziergang eher erfrischend und belebend sein.

In den letzten Jahren hat das Interesse und die wissenschaftliche Erforschung der Qi-Phänomene zum Glück stark zugenommen. Dennoch gibt es viele Wissenslücken in der chinesischen Medizin und gerade in den Bewegungslehren. Das ist z.T. sicherlich darauf zurückzuführen, dass in den asiatischen Ländern der Lehrer/die Lehrerin nicht hinterfragt wird. Durch eine Frage die nicht beantwortet werden könnte, würde die unterweisende Person ihr Gesicht verlieren – eine entsetzliche Vorstellung für Asiaten. Hinzu kommt, dass die Systeme Qigong und Tai Chi durch die Erfahrung gewachsen sind. Anatomie, Physiologie, biochemische Prozesse usw. waren also nie ein Thema in der Entwicklung der Systeme.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Qigong? Haben sich Übungen als besonders wirkungsvoll oder vielleicht sogar eher negativ ausgewirkt? Teilen Sie mir und anderen Übenden Ihre Erfahrungen mit.

  • Qi Gong und Tai Chi-Fan 12. April 2010 at 04:38 /

    Ein informativer und begrüßenswerter Artikel. Und ich möchte meine persönliche Einstellung noch eben hinzu fügen: Die Tradition selbst ist ein immens großer Wissensschatz – die Erfahrungen von Jahrhunderten, zuweilen Jahrtausenden übersteigt die Kenntnisse eines jeden Einzelmenschen eben bei Weitem. Deshalb verdient sie natürlich ersteinmal Respekt – und nicht immer kann man, als Einzelperson, gleich ermessen oder nachvollziehen, auch im Qi Gong, warum nun “eine Regel” eben dieses oder jenes besagt. Ich bin mir sicher, dass auch manche Meister manches nicht wissen, was ihr Meister ihnen wiederum als “Regel” überliefert hat. Für uns im Westen ist es deshalb und unterm Strich wichtig, denke ich, hier eine goldene Mitte zu finden. Zum einen natürlich den alten Überlieferungen und Regeln stets mit Respekt und Bedachtsamkeit zu begegnen – aber eben auch beständig dazu die eigenen und individuellen Antworten suchen. In Asien hinterfrägt man ja tatsächlich weniger, im Westen ist der Intellekt hier neugieriger – ich denke, beide Wesensarten lassen sich furchtbar vereinigen.

    Liebe Grüße!

    Guny

  • Maraa 27. Mai 2010 at 16:39 /

    Frage zu Qi Gong Übung
    Ich übe schon etwas längere Zeit Qi Gong, mit Hilfe eines Meisters, und habe eine Frage zum Kleinen Kreislauf. Ich möchte auch Sie fragen, ob Sie evtl. eine Erklärung-Meinung zu folgendem Phänomen haben:Jedes Mal wenn ich den Kleinen Kreislauf übe (Tageszeit spielt keine Rolle), vorher ca. 20 min Enspannung und anschließend Kl. Krlf., ( 2- 8 Durchläufe) – zum Schluß mit gutem Abschluß im Unteren Dantien – stellt sich am Abend und nachts bei mir eine große innere Unruhe ein. Ich bin wie unter Strom, innerlich flatterig, habe dann auch Herzrasen. Dieser Zustand ist sehr unangenehm, hält manchmal auch 2-3 Tage an und ich traue mich dann nicht mehr den Kl. Krlf. zu üben.
    Vielen Dank für Ihre Meinung und evtl. Rat dazu.

    Schöne GRüße,
    Maraa

  • Siegbert Engel 30. Mai 2010 at 15:47 /

    Liebe Maraa,

    eigentlich sollte Ihr Meister diese Frage beantworten (können). Er sollte Sie und Ihre Reaktionen kennen, um einschätzen zu können, welche Ursache die beschriebene Reaktion haben kann. Es wäre unseriös und unprofessionell von mir, Ihnen aufgrund der wenigen Informationen die ich von Ihnen habe, einen Rat zu erteilen.

    Vielleicht kann es hilfreich sein, wenn Sie sich folgende Fragen stellen:
    – Hat sich in der letzten Zeit, seit die beschriebenen Symptome auftreten, in Ihrem direkten oder weiteren Umfeld bzw. in Ihrer Beziehung zu anderen Menschen (Ihrem Partner/Ihrer Partnerin?) etwas verändert?
    – Gibt es Probleme am Arbeitsplatz, im Privatleben … die hier ursächlich sein könnten?
    – Haben Sie elektrische Geräte (PC, TV, Telefon…) an Ihrem Schlafplatz?
    – Ändert sich oder verschwindet die Symptomatik, wenn Sie den Schlafplatz wechseln oder die Schlafrichtung ändern?
    – Treten die Symptome auch auf, wenn Sie Ihre Qigong-Praxis für 1-2 Wochen unterbrechen?

    Vielleicht können diese Fragen eine Anregung sein, über weitere mögliche Zusammenhänge nachzudenken. Ich wünsche Ihnen, dass Sie der Lösung des “Problems” damit ein Stückchen näher kommen.

    Mit besten Grüßen
    Siegbert Engel

  • Maraa 1. Juni 2010 at 12:17 /

    Lieber Herr Engel,

    vielen Dank für Ihre Antwort und Anregungen. Ihre Ansätze sind für mich sehr hilfreich und klar.
    Ich werde weiterhin an der Suche einer Lösung für mioch arbeiten.
    Bezüglich Meister: manch ein asiatischer Meister ist für uns Westler dann doch sparsam mit Erklärungen – die Anworten sind keine Antworten – und manchmal für unsereinen (im Moment zumindest) nicht aufschlußreich, nicht zufriedenstellend und verwirrend.

    Viele schöne Grüße,
    Maraa

  • Andreas Wetzel 26. Mai 2017 at 06:37 /

    Ich mache 2x in der Woche Chi Kung nach David Carradine seit 20 Jahren. Das Training hat geholfen gesünder zu werden. Ich hatte schlimmes Bronchialasthma, durch Tai Chi ging es weg. Ich möchte wissen, nach diesem Training genieße ich die Entspannung und schlafe manchmal, sodass der Tag gelaufen ist. Meine Frage: SOLLTE ich der Ruhe nachgeben? Oder kann ich nach einer Pause abend noch was wie sonst draußen machen?

  • Siegbert Engel 26. Mai 2017 at 14:06 /

    Lieber Andreas Wetzel,
    es ist immer schwierig, einen Ratschlag ohne Kenntnis der individuellen Situation zu erteilen. Grundsätzlich sollte man der Müdigkeit (nach dem Üben) nachgeben. Offenbar benötigen Sie die Ruhe ja in dem Moment. Und natürlich können Sie auch noch draußen arbeiten, wenn Ihnen der Sinn danach steht. Das Ruhen sollte aber keinesfalls dazu führen, “dass der Tag gelaufen ist”. Mein Tipp: Kürzere Ruhephasen (max. 15-20 Minuten) zwischendurch einlegen, oder eine Meditationseinheit an das Trainig anhängen. Hierzu empfiehlt es sich, eine erfahrene Lehrerin oder einen erfahrenen Lehrer aufzusuchen.

    Mit besten Grüßen,
    Siegbert Engel