Stille in der Kommunikation

 

Stille in der Kommunikation

Posted by Siegbert Engel in Kommunikation 13 Jun 2008

Wachsamkeit und Aufmerksamkeit im Umgang mit sich und anderen

Probleme im Verstehen und in der Kommunikation mit anderen Menschen entstehen häufig, weil wir nur noch selten in der Lage sind in der überwältigenden Flut an Informationen und Eindrücken die wir zu bewältigen haben … einfach … einmal … still … zu … sein. Stille im Alltag, zumal während der Arbeit? Dabei können einige einfache Techniken den Umgang mit anderen Menschen so sehr erleichtern und das Leben ein klein wenig stressfreier machen. Zunehmend machen Menschen die Erfahrung wie wohltuend die Übung der Stille ist. Ob nun als Methode zur Stressreduktion, als religiöse Übung oder um das eigene geistige Potenzial zu steigern: Die verschiedenen Techniken der Meditation weisen, unabhängig vom religiösen oder philosophischen Kontext, einige interessante Gemeinsamkeiten auf: die Besinnung auf den Moment, das neutrale Beobachten und das Fokusieren.

1. Kommen Sie an!
Besinnen Sie sich mit jeder Faser Ihrer Existenz auf Ihre Präsenz im Moment. Vergessen Sie was war oder sein könnte. Es existiert nicht JETZT und nicht HIER. Vergangenheit und Zukunft sind nur Informationen und Tatbestände, die wir in unserem Gedächtnis abspeichern oder aufgrund der zur Verfügung stehenden Erfahrungen in die Zukunft projizieren. Vergangene Erfahrungen werden stets durch unseren subjektiven “Filter” verfälscht und “Zukunft” basiert lediglich auf Vermutungen, die wir auf der Basis unserer Erfahrungen anstellen. Was davon hat also Bestand?

2. Halten Sie sich raus!
Lassen Sie alle sich aufdrängenden Bilder, Eindrücke, Gefühle oder Gedanken vorüberziehen ohne ihnen anzuhaften bzw. ohne Sie zu bewerten. Seien Sie der neutrale Beobachter vor der Leinwand Ihres eigenen Films!

3. Bleiben Sie dabei!
Fokusieren Sie Ihre Aufmerksamkeit! Bündeln Sie Ihre wache Aufmerksamkeit wie einen Lichtstrahl auf EINE Sache – ein Wort, ein Gebet, ein Lächeln. Kehren Sie immer wieder zu dieser einen Sache zurück, egal wie oft Ihr Geist abschweifen sollte.

Je intensiver Sie sich dieser recht einfach anmutenden Techniken bewusst werden (z.B. durch die Praxis einer Stilleübung), desto eher werden Sie in der Lage sein, die drei genannten Punkte in Ihrer täglichen Kommunikation anzuwenden.

Selbst im Gespräch mit anderen Menschen befinden wir uns in einem permanenten inneren Dialog. Wir interpretieren Aussagen auf der Grundlage unserer Erfahrungen, vergleichen, ziehen Schlüsse – und sind doch selten in der Lage uns nur und ausschließlich auf den Gesprächsinhalt zu konzentrieren.

Tipp: Wiederholen Sie in einem Gespräch das soeben Gehörte, damit signalisieren Sie Ihrem Gegenüber Aufmerksamkeit und versichern sich, dass Sie verstanden haben was Sie gehört haben.

Unsere Emotionen spielen uns gerade in der Kommunikation mit anderen oft einen Streich. Durch unseren Wahrnehmungsfilter interpretieren wir häufig das Gehörte und gleichen es mit unseren Erfahrungen ab. Missverständnisse entstehen fast immer auf dieser subjektiven Hörweise.

Tipp: Stellen Sie sich gerade in angespannten Situationen vor, Sie stehen an einem erhöhten Punkt und schauen auf die Situation herab. Sie haften nicht an dem was Sie sehen bzw. hören, Sie bewerten nicht. Wie stellt sich Ihnen die Situation nun, aus dieser Perspektive, dar? Können Sie durch diese Änderung der Perspektive Ihr Verhalten evtl. neu bestimmen? Oder vielleicht die Ursache für Missstimmigkeiten erkennen?

Je komplexer unser Alltag wird und je mehr wir von Informationen überflutet werden, desto mehr sind Wachheit und Aufmerksamkeit erforderlich um Fehler zu vermeiden. Wachheit und Aufmerksamkeit erleichtern den stressfreien Umgang mit anderen Menschen – und mit sich selbst.

Zum Schluss möchte ich Ihnen zwei kleine Geschichten aus dem Zen vorstellen, die sehr schön verdeutlichen worum es hier geht:

Aufmerksamkeit
Ikkyu war ein bekannter Zen-Mönch, Dichter und auch Shakuhachi-Spieler. Als er einmal auf dem Markt flanierte, wurde er von einem jungen Mönch erkannt, der von ihm einen Gedichtband besaß.
Dieser näherte sich ihm und fragte: ”Meister Ikkyu, können Sie mir bitte in dieses Buch schreiben, was das Wichtigste, was die Essenz des Zen ist?”

Ikkyu sagte: ”Ja, das kann ich,” und schrieb in das Buch “Aufmerksamkeit”.
Da bemerkte der Mönch enttäuscht: ”Ist das alles? Gibt es da nicht etwas Tieferes?”
Ikkyu erwiderte: “Doch, es gibt etwas Tieferes” und schrieb “Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit”.
Der Mönch war aber immer noch nicht zufrieden: “Aufmerksamkeit, das kennt doch jeder! Können Sie nicht etwas Tiefgründigeres schreiben?”
Ikkyu antwortete: “Oh ja, das kann ich” und schrieb: “Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit”.

Da verstand der Mönch plötzlich und verbeugte sich tief.

Die Schuhe vor der Tür
Nach sieben Jahren intensiven und mühsamen Übens besucht ein Zen-Schüler seinen Meister um ihm seine Fortschritte zu zeigen. Der Anerkennung des Meisters gewiss grüßt er diesen respektvoll, doch noch bevor er den Gruß beendet hat, fragt ihn der Meister: “Auf welcher Seite der Tür hast du deine Schuhe abgestellt?” Der Schüler schaut verdutzt den Meister an, doch er kann die Frage nicht beantworten. Der Meister schickt seinen Schüler fort mit der Bitte erst wieder zu kommen wenn er so weit sei.

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