Handhaltung im Qigong

 

Handhaltung im Qigong

Posted by Siegbert Engel in Qigong 18 Mai 2015

Handhaltung QigongFrage: Ich bin auf der Suche nach einer Erklärung für die Handposition auf dem Dantian während mancher Übungen. Sie beschreiben diese bei der Qi-Bauch-Massage so, wie ich sie auch gelernt habe, dass Frauen zuerst die rechte und dann die linke Hand auf das Dantian legen und Männer umgekehrt. Gibt es eine schlüssige Begründung für diese Anweisung? Ich habe bisher weder im Internet noch in meinen Büchern dazu etwas Konkretes gefunden.

 

Antwort: Die Frage, die Sie stellen, wird immer wieder gestellt und offen gestanden weiß ich selber bis heute nicht, warum die Hände in dieser Weise aufeinander gelegt werden. Ich habe meine Lehrer immer wieder nach diesem Sachverhalt gefragt, doch eine Antwort sind sie mir alle bis heute schuldig geblieben.

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum bei Frauen die rechte und bei Männern die linke Hand zuunterst liegt. Dabei beobachte ich immer wieder, dass, wenn ich Menschen auffordere beide Hände auf den Unterbauch zu legen, diese in der Mehrzahl automatisch die „richtige“ Hand auf den Bauch und die andere darüber legen. Es scheint also ähnlich wie bei Rechtshändern und bei Linkshändern zu sein: Einen Linkshänder, auch wenn er „umgelernt“ wurde, erkennen Sie stets daran, wie er in die Hände klatscht: nämlich mit der linken von oben auf die rechte Hand schlagend und nicht umgekehrt, wie es „echte“ Rechtshänder tun.

Eine mögliche Erklärung für die Handhaltung, die Sie ansprechen, habe ich in der Polarity-Methode gefunden, die ja z.T. auf dem gleichen energetischen Denkmodell wie die TCM beruht. Demnach ist, um es etwas zu verallgemeinern, die Körperrückseite (der Rücken) des Menschen grundsätzlich Yang, die Vorderseite (Rumpf) ist Yin. Die linke Hand des Mannes ist Yang, die rechte Yin, bei Frauen ist es umgekehrt. Dies würde auch der Ansicht von Prof. Wu Zong Hu (Qigong-Meister und Leiter des Shanghai Forschungsinstituts für Prävention und Behandlung Tumorkranker) entsprechen. Schaut man sich jetzt die Anordnung der Körpervorderseite in Beziehung zu den beiden übereinanderliegenden Händen an, so ergibt sich daraus die energetische Anordnung Yin – Yang – Yin. Das wiederum entspricht dem I Ging Trigramm K’an, das dem Wasser und dem Norden entspricht. In diesem Symbol drückt sich das Ruhepotenzial der Erde aus, aber auch das nach unten Fließende. Insofern würde es also durchaus zur Intention der Übung passen, nämlich die Aufmerksamkeit und das Qi/Blut zur Mitte (= Wandlungsphase Erde) zu führen und das Yin der Nieren (= Wandlungsphase Wasser) zu stärken.

Es gibt Menschen, die auch nach längerem Üben, die von Ihnen erwähnte Handhaltung als nicht angenehm empfinden. In diesem Fall sollte man seinem Gefühl nachgeben und die angenehmere Handhaltung wählen. Selbst wenn die korrekte Nachahmung von Übungen immer wieder gefordert wird, ist es doch wichtig, seinen eigenen Impulsen im Rahmen des Möglichen und Nötigen zu folgen. Nur das bringt Gelingen.

Das ist nun mein ganz persönlicher Erklärungsversuch.

  • Angelika Fritz 27. Mai 2015 at 21:27 /

    Sehr interessant! Ich habe auch schon bei verschiedenen LehrerInnen nach einer Erklärung gefragt. Bisher habe ich nur Folgendes erfahren: Linke Hand = Yang und rechte Hand = Yin gilt (bei denen ich nachgefragt habe) für Männer UND Frauen. Frauen (Yin) sollen die rechte Hand (Yin) zuerst legen, Männer (Yang) sollen die Yang-Hand (rechts) näher ans Dantian legen.

  • Eine Leserin 29. Januar 2018 at 07:21 /

    Ich kann dieser komplementären Idee zweier eindeutiger Geschlechter nichts abgewinnen. Hier werden Anweisungen gegeben, die traditionell überliefert sind. Dass am Ende der gute Hinweis steht, dass das eigene Erleben das Relevantere sei, scheint mir der grundsätzlich bessere Weg. Im Vergleich dazu, dass durch die Anweisung die Mehrheitsbeobachtung zur einzig korrekten Variante stilisiert wird. Den Menschen, die nicht dem mehrheitlichen “Automatismus” folgen zuzugestehen, dass er zu ihnen passen könnte oder alle gut darin anzuleiten, die eigene Position/Reihenfolge wahrzunehmen und auf Stimmigkeit und Energiefluss zu überprüfen, scheint mir deutlich sinnvoller, als es erstmal zu “überschreiben” und irgendwann dann eine Auseinandersetzung zwischen eigenem Spüren und lehrender / anleitender Autorität zu machen.

    Wie sehen das andere? Oder der Autor?

    Ich bin dankbar, dass es diese Seite zu finden gab. Und für die Beschreibung, dass es außer einer Mehrheitsbeobachtung und Weitergabe von Lehrenden zu Lehrenden keine weiteren Anlässe zu geben scheint. Ich gehöre zu der Minderheit, die “automatisch” die Hände so legt, dass es “korrigiert” werden muss. Manche Anleitende korrigieren mich aber auch nicht, ganz wenige haben auch schon auf die geschlechterspezifische Anleitung verzichtet. So meine Beobachtung (ich hab aber keine repräsentative Menge an Erfahrung ;-) )

  • Siegbert Engel 29. Januar 2018 at 17:09 /

    Liebe Leserin,
    vielen Dank für deinen guten und konstruktiven Beitrag.
    Ich halte es grundsätzlich so, dass ich Tradiertes und Gelerntes im Rahmen des für mich Nachvollziehbaren und Überprüften weitergebe. Zum Lernen gehört m.E., das Geübte stets selber zu überprüfen und ggf. zu hinterfragen. Ein System das sich nicht mehr hinterfragen lässt oder hinterfragen lassen will, ist starr und leblos. Das würde dem Gedanken des Qigong nicht entsprechen.

  • satori 4. Juni 2019 at 12:36 /

    Halli Hallo : Nachtrag von Mir! In den occulten Lehrpraktiken (egal welche) wird davon ausgegangen ,das bei der Frau die gebende Hand die Linke ist und umgekehrt ,beim Mann die rechte Hand. Dies kann man eigentständig studieren und durch gute Wahrnehmung und Beobachtung kultivieren… Eine kleine Übung um es festzustellen . Ist versenkung im dunklen Raum (idealer Weise Schwarz,nicht ein Lichtpunkt) und die Hände ganz nah ans Gesicht führen (nicht berühren) Dort wird man sehr fein, die Energie wahrnehmen die die Hände ausstrahlen oder einziehen ^^…

  • satori 4. Juni 2019 at 12:40 /

    Ich finde es erschreckend ,das alle hier sich auf Lehrer oder Bücher berufen und niemand sich wirklich damit und sich selbst auseinandersetzt !!! Was nicht heißt das die Lehrer oder Bücher nicht recht haben …Aber der Mensch gibt sich dadurch nur mit Worten zufrieden und unterwirft sich damit einem anderen, aus Faulheit ,Feigheit oder sonst was…Er entzieht sich selbst dem erkennen von Dingen : dem Spiel des Lebens (: Er denkt lieber intellektuell darüber Nach und Quatscht doof rum (: …. Siegbert Engel ! gebe ich da recht … Adios

  • Siegbert Engel 4. Juni 2019 at 18:17 /

    Lieber satori,
    vielen Dank für Ihren Kommentar, den ich weitgehend unbeantwortet lasse. Vielleicht nehmen andere LeserInnen Ihre Aussagen ja zum Anlass, sich ebenfalls zu diesem Thema zu äußern. Allerdings möchte ich für einen freundlicheren Ton plädieren. Warum jemand etwas tut oder nicht tut, vermag ich nicht zu sagen. Und von Unterstellungen, wie in der nachgeschobenen Anmerkung, möchte ich mich persönlich deutlich distanzieren.

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