Die richtige Entspannung

 

Die richtige Entspannung

Posted by Siegbert Engel in Bewegung 26 Sep 2008

Entspannung wünschen sich viele Menschen. Gerade in Kursen und Seminaren erlebe ich es immer wieder, dass TeilnehmerInnen vom Arzt geschickt werden um sich durch gezieltes (Qigong- oder Tai Chi Chuan-) Training zu entspannen. Dabei gehen die empfehlenden Ärzte als auch die InteressentInnen oft von einer Form der Entspannung aus, die sie im Training so nicht finden.

Permanente Überlastung und negativer Stress führen zu erhöhter Reizbarkeit, Erschöpfung, Kreislaufproblemen, Schlaflosigkeit. All das soll sich durch das Training möglichst rasch in Wohlgefallen auflösen. In den Medien wird dieses falsche Bild einer “Instant-Entspannung” durch gut aussehende, durchtrainierte Modells in Lifestyle-Ambiente zusätzlich noch gefördert. Dass der Weg zu wahrer Entspannung mitunter steinig sein kann, und dass es eines gewissen Aufwands bedarf um dorthin zu gelangen, möchte man am liebsten nicht wahrhaben.

Egal ob man nun Yoga, Qigong oder Tai Chi Chuan praktiziert: Entspannung muss man erst wieder (und kann man) lernen. Um zu verstehen was mit Entspannung im Sinne der genannten Methoden gemeint ist, möchte ich den chinesischen Begriff song (sprich: Ssung) erläutern. Für song gibt es in unserer Sprache keine angemessene Übersetzung. Sinngemäß bedeutet song soviel wie entspannen, locker(n). Unter song wird eine bewusste Lockerheit des Körpers und des Geistes verstanden, die allerdings nichts mit Schlaffheit zu tun hat. Vielmehr wird versucht durch eine erhöhte Achtsamkeit nicht die gesamte Spannung im Körper zu lösen, sondern nur das Zuviel an Spannung zu entdecken und loszulassen. Und das ist ein aktiver Prozess. Nehmen wir das Bild einer Feder: Eine Feder die zu stark gespannt wird reißt. Eine Feder die nicht gespannt wird bewegt nichts. So ist es mit uns: Wenn wir uns zu lange überlasten, werden wir krank oder brechen zusammen. Sind wir lasch, bewegen wir auch nichts. Es geht darum das richtige Maß an gelöster Grundspannung zu finden und zu halten.

Auf der geistigen bzw. mentalen Ebene gilt das gleiche Prinzip. Normalerweise sind wir in einen permanenten inneren Monolog verstrickt, beschäftigen uns mit allen möglichen Dingen – von der Einkaufsliste bis hin zum Ärger mit Kollegen. Durch Achtsamkeit und wache Aufmerksamkeit können wir lernen, nach und nach den Geist von diesen inneren Selbstgesprächen, Urteilen oder Zweifeln zu befreien und auszudehnen. (Dass es sich dabei nicht um esoterischen Humbug handelt, weiß mittlerweile jeder Mensch der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt.)

Sind Körper und Geist von diesem Zuviel befreit und in einem Zustand gelöster, achtsamer Grundspannung bzw. Wachheit, wird man recht schnell einen Zuwachs an Vitalität, Spontaneität und (innerer) Ruhe verspüren. Durch fortgesetztes Üben kann man, quasi als Belohnung für die Mühe, diesen Zustand dauerhaft festigen. Sind wir dann einmal in einer Situation die Stress verursacht oder die uns überfordert, können wir uns durch die gelernten Methoden rasch regenerieren und in eine angenehme Grundstimmung zurückfinden.

Post a comment

Wenn Sie Ihren Kommentar abschicken, stimmen Sie den für diese Website gültigen Datenschutzbedingungen zu.